Was ist passiert?

Das niederländische Kreuzfahrtschiff MV Hondius verließ am 1. April 2026 südargentinisches Gewässer mit rund 150 Personen an Bord. Wochen später meldeten Passagiere und Crew schwere Atemwegssymptome. Am 6. Mai 2026 informierte die Reederei die WHO über das Ausbruchsgeschehen.

Bis zum 11. Mai wurden sieben Fälle (fünf bestätigt, zwei wahrscheinlich) gemeldet. Drei Personen verstarben: ein niederländisches Ehepaar sowie eine 65-jährige Deutsche. Der Schiffsarzt befand sich in kritischem Zustand. Eine weitere deutsche Kontaktperson wurde asymptomatisch in das Universitätsklinikum Düsseldorf verlegt und dort überwacht.

Zahlen im Überblick — Stand 11. Mai 2026
Schiff
MV Hondius
Todesfälle
3 (1 Deutsch)
Fälle gesamt
7 (5 bestätigt)
Virustyp
Andes-Virus (ANDV)
Risiko Europa
Gering (WHO/ECDC)
Risiko DE
Sehr gering

Was ist das Andes-Virus — und was unterscheidet es vom deutschen Hantavirus?

Das Andes-Virus (ANDV) ist ein südamerikanischer Hantavirus-Stamm, der hauptsächlich in Argentinien und Chile vorkommt. Es verursacht das sogenannte Hantavirus-Lungensyndrom (HPS) mit einer deutlich höheren Sterblichkeitsrate als der in Deutschland endemische Puumala-Virus.

Ein entscheidender Unterschied: Das Andes-Virus kann — anders als alle anderen bekannten Hantavirus-Stämme — in seltenen Fällen von Mensch zu Mensch übertragen werden, wenn es zu engem und anhaltendem Kontakt kommt. Das RKI bezeichnet es als „hochvirulent".

Wichtige Unterscheidung: In Deutschland ist das Puumala-Virus (PUUV) endemisch — übertragen ausschließlich durch Rötelmäuse, keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Die Schutzmaßnahmen (FFP3-Maske, Handschuhe, Desinfektion) gelten weiterhin und sind wirksam.

Risikoeinschätzung für Europa und Deutschland

Sowohl die WHO als auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) haben die Risikoeinschätzung für die europäische Allgemeinbevölkerung als gering bis sehr gering eingestuft. Eine Ausbreitung des Andes-Virus in Europa ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht zu erwarten.

Das RKI koordiniert die Untersuchungen gemeinsam mit dem Konsiliarlabor und begleitet die Repatriierung betroffener deutscher Staatsangehöriger. Die Bundesregierung steht in engem Kontakt mit den europäischen Partnern.

Was Sie jetzt tun sollten: Das Kreuzfahrt-Ausbruchsgeschehen ändert nichts an den bewährten deutschen Schutzempfehlungen. Wer in Endemiegebieten wie dem Bayerischen Wald, der Schwäbischen Alb oder dem Odenwald lebt oder arbeitet, sollte weiterhin FFP3-Atemschutzmasken bei Risikotätigkeiten verwenden.

Chronologie des Ausbruchs

Was bedeutet das für deutschen Hantavirus-Schutz?

Es ist Mai 2026 — und damit die Hauptsaison für Hantavirus-Infektionen durch den Puumala-Stamm in Deutschland. Mastjahre der Buche führen zu erhöhten Rötelmaus-Populationen, was erfahrungsgemäß im Folgejahr zu mehr Hantavirus-Fällen führt.

Das aktuelle Kreuzfahrtschiff-Ereignis lenkt die mediale Aufmerksamkeit auf Hantavirus — und das zu Recht. Denn unabhängig vom Andes-Virus ist das deutsche Puumala-Virus eine reale Gefahr für alle, die in Risikogebieten arbeiten, Gärten und Keller aufräumen oder forstwirtschaftlich tätig sind.

Das RKI empfiehlt in seinem Merkblatt ausdrücklich FFP3-Atemschutzmasken (CE EN149) als wichtigsten Schutz. Sie filtern ≥ 99 % der Partikel — FFP2 und chirurgische Masken reichen hier nicht aus.

Bei Verdacht auf Hantavirus (Fieber + Kontakt mit Nagetieren/Ausscheidungen): Sofort einen Arzt aufsuchen und aktiv auf den möglichen Hantavirus-Kontakt hinweisen. Frühzeitige Diagnose ist entscheidend für den Verlauf.